Kreativität

Die wertvolle Ressource „Kreativität“

Das Lockern von Kontrolle und Zensur im Kontext mit logischer Intelligenz und strategisch kultivierter Emotion.

Das Zulassen der Spannungsfelder „Beziehungen“ und „konstruktive Kritik“ für ein inspirierendes Klima.

Bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit…

Die große Frage: Was ist sie und wie können wir sie für uns persönlich und für unser Unternehmen gewinnen? Bevor ich darauf eingehe, möchte ich etwas Grundsätzliches voranstellen:

Echte Kreativität ist keine künstlerische Besonderheit. Sie ist kein mystischer Geist, sondern eine in jedem Menschen natürlich angelegte Gestaltungskraft und Erfindungslust.

Sie ist auch ein intensiveres „Ich-Erleben“, sprich eine individuelle Empfindung, der plötzliche Funke, die Eingebung, das intuitive (Bauch-) Gefühl. Zudem ist sie die Fähigkeit etwas ohne Anreize aus sich selbst heraus entwickeln zu können, verknüpft mit dem natürlichen Bedürfnis sich auszudrücken.

Praktisch gesehen ist Kreativität das oft nicht leichte Verlassen von festen Wegen, Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten, also die individuelle Fähigkeit zu Perspektivenwechsel und Problemlösungen, was schon in der Evolution seinen Ursprung hatte, z.B. in der Höhlenmalerei vor ca. 18000 Jahren.

Hier drückten die Menschen sich, ihre Erlebnisse und Emotionen, als Überlebensstrategie in Form von Szenerien an den Wänden aus. So fanden sie letztlich zum Wert des sozialen Zusammenhaltes und des Individuums – der Ursprung und Motor für echte, natürliche Kreativität!

Aus ihr ging alles hervor, was jemals in unserer Welt neu geschaffen wurde. Sie bietet die unbezahlbare Möglichkeit, Wert und Potenzial von Vorhandenem zu erkennen und dieses durch unkonventionelle Blickwinkel neu zu kombinieren.

Dazu gehört aber auch das Strategielose: Das intuitive Tun, das Ausprobieren, der Fehler, der Umweg. Hier liegt auch der Wert z.B. für Unternehmen: Gerade heute ist Kreativität als elementarer, kostbare Basis für Innovationen wieder dringend gesucht. Aber wie gelingt das wirklich nachhaltig?

Das ist gar nicht so einfach, denn sie ist ein schwer greifbares Phänomen. Zahlreiche kreative Techniken können dabei hilfreich sein, sind jedoch nicht ausreichend, denn echte Kreativität ist die Mixtur „Verstand – Emotion – Erfahrung“, ein natürlicher Drang, sich spontan auszudrücken und eine Offenheit und Wachheit sich selbst und der Umwelt gegenüber. Methoden sind also keine alleinige Grundlage für ein inspirierendes, kreatives Klima, in dem echte Kreativität wirklich gedeihen kann!

Sie lässt sich fördern, aber kaum erzeugen, künstlich aufsetzen, simulieren, kontrollieren, messen oder rein kognitiv abrufen, wie wir es vielleicht als planende Strategen liebend gerne hätten. Kreativität ist bei weitem nicht bloß eine Kompetenz, die wir in fordernden Situationen spontan entwickeln können. Sie zeigt sich oft erst in der Distanz, in unerwarteten Momenten, abseits des Arbeitsalltags. Ich würde sie zudem nicht nur als Fähigkeit bezeichnen, sondern vor allem als persönliche Grundhaltung und völlig natürliche Lebenskompetenz.

Was braucht es noch?

Authentisches Interesse, individuelle Wertschätzung, Hineinversetzen in Andere, zwischenmenschliche Kommunikation, Sinnhaftigkeit, Abstand und Freiraum für Individualität und Verantwortung, Mut etwas in Frage zu stellen, sich von Mainstream und Konventionen zu lösen, etwas anders zu machen. Ebenso mehr Mut zur Persönlichkeit und Selbstverantwortlichkeit sowie die Bereitschaft, sich auch selbst zu führen und nicht nur führen zu lassen.

Das klingt schwierig!? Wie lässt sich denn nun ein grundlegendes Klima dafür schaffen?

Es gibt in der heutigen Arbeitswelt elementare „Kreativitätskiller“, wie z.b. negativer Stress, ständiger, Zeitdruck, Systemhörigkeit, Methodik, Angst, Druck, fehlende Werte und Ziele, mangelnde Kommunikation und unfähige Führungsqualität. Zudem kann man Kreativität nicht verordnen oder wie einen Umhang überstreifen. Man braucht die Bereitschaft des Einzelnen, sie auch für sich selbst zuzulassen und zu entwickeln, und zwar auf alle Lebensbereiche übergreifend.

Hier sei auch gesagt, dass Unternehmen umdenken müssen, indem sie sich darauf konzentrieren, wie man Kreativität bestmöglich geschehen lässt, als nur nach effektiven Werkzeugen oder Methoden zu suchen, um sie irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Aber so geht es leider nicht. Man holt sie sich nicht, sondern sie kommt von ganz alleine!

Dass hier die grundlegenden Instrumente „Führung“, „Kommunikation“ und „Unternehmenskultur“ gemeint sind, dürfte die logische Schlussfolgerung sein. Das aber jeder Einzelne, ob Führungskraft oder Mitarbeiter auch selbst mehr gefragt ist, wohl noch nicht, denn es klingt auch irgendwie unbequem und unstrukturiert. Und das gefällt nicht Jedem.

Ineffizienz oder fehlende Lust sind nicht die Hauptverursacher für mangelnde Kreativität, sondern viele Führungskräfte aktivieren nur sehr begrenzt die eigenen, instinktive Kräfte und die Ihrer Mitarbeiter, mit denen Sie lediglich sich und Andere nur weiter unter Druck setzen, um Leistung und Konkurrenz stand zu halten.

Die eigentliche, individuelle Urkraft „Kreativität“ wird so nicht genutzt und das notwendige Spannungsfeld, in dem Gedachtes und Gefühltes ausgedrückt werden kann, sind vor allem die Beziehungen untereinander, und nicht die Werkzeuge. Und dies wird oft nicht gesehen, bzw. nicht gefördert.

Grundsätzlich gilt, dass jede kreative Leistung ein Ergebnis ist aus der Verbindung logischer Intelligenz und strategisch kultivierter Emotion. Nicht jeder wird dadurch zum „Kreativen“, doch ein Unternehmensklima, das grundsätzlich inspiriert, ist die beste Basis.

Verändern Sie einmal Ihren Blickwinkel auf dieses Thema! Ein hervorragender Rahmen dafür ist das entschleunigende „Ritual“ (auch in Unternehmen), unser Thema in der nächsten Woche. Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Es grüßt Sie herzlich,
Peer Bökelmann