Selbstbewusstheit

Selbstbewusstheit – abgehoben oder Kompetenz der Zukunft?

Zeit mit sich selbst verbringen, sich selbst betrachten, reflektieren, erkennen…
…egoistischer Luxus oder zunehmende Herausforderung?

Wir alle haben das schon oft gehört und trennen es häufig ganz automatisch von unserem Alltag:

Selbstachtung, Selbsterkenntnis, Selbsterfahrung, Selbstreflexion, u. ä.

Es gibt heute mehr Menschen, die sich mit dem Selbst beschäftigen und nicht wenige, die es rigoros zudecken, rein analytisch betrachten oder in Schubladen stecken wie z.B. Esoterik, Wellness oder „Psycho-Kram“. Manchmal ist dies vielleicht berechtigt, denn hier gibt es auch Sinnfreies und Bedenkliches. Doch vielleicht wird dies noch viel häufiger (unbewusst) mit Schwäche assoziiert als man denkt, obwohl Selbstbewusstheit in vielen Augen eigentlich schon einer persönlichen Stärke oder Reife gleichkommt.

Schwäche passt jedenfalls nicht gut zusammen mit den Begriffen unserer fortschreitenden, gesellschaftlichen Prägung: Perfektion, Funktionieren, Dazugehören, Konkurrenz, Schnelligkeit, Leistung, Wachstum, Erfolg, Anerkennung, Selbstinszenierung. Vielleicht macht man genau deshalb noch häufig einen Bogen um derartige Themen?

Manche Menschen neigen dazu, schnell zu bewerten, gerade wenn es um Persönlichkeitsthemen geht. Vielleicht aus Unwissenheit oder aus der Befürchtung heraus, man müsse sich dann vor Anderen öffnen, etwas von sich offenbaren. Oder man könnte sich selbst erkennen, wie man wirklich ist? So könnte auch eine Panzerung um die Persönlichkeit entstehen, was langfristig nicht so gut ist.

Schafft man es, mal für einen kurzen Augenblick Vorurteile, Befürchtungen sowie äußere Einflüsse und voreilige Bewertungen auszublenden, konzentriert sich für eine kurze Zeit und völlig ohne Erwartung auf das natürliche „Bei-sich-Sein“, so wird die Bedeutung vielleicht noch etwas klarer:

Es geht um die heute viel diskutierte und gleichermaßen verdrängte, zweite Hälfte des eigenen Wesens, die ebenso tagtäglich und überall mit gelebt werden will. Andernfalls verleugnet man sich ja selbst und fügt sich langfristig einen Schaden zu.

Dabei geht es nicht um gesteigerte Ich-Bezogenheit oder überschwängliche, unpassende Gefühlsregungen, sondern um einen ganz wesentlichen, selbstregulierenden und gesunden Teil jeder Persönlichkeit. Gemeint ist damit auch der große Gewinn durch die gut funktionierende Teamarbeit beider Gehirnhälften.

Dazu ein abschließender Gedanke unsererseits, der sicher noch ganz tief in den Kinderschuhen steckt:

In der Gesellschaft und Arbeitswelt der Zukunft dürfte sich neben Bildung und Fachwissen diese angeborene Ur-Fähigkeit langsam (wieder) zu einer elementaren Herausforderung entwickeln, um mit den Widrigkeiten und Veränderungen des sich wandelnden Umfeldes weiterhin gut umgehen zu können und sich damit auch selbst gesund zu erhalten.

Die Frage ist, ob man das in Gesellschaft und Business gerne hören will und wie man damit zukünftig umgeht.